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Der Wert von Flexibilität

Obwohl der Ausbau der erneuerbaren Energien zuletzt ins Stocken geriet, sind sie ein essentieller Baustein zur Erfüllung der Klimaziele. Bis 2050 sollen 80% des Strombedarfs des Landes durch Erneuerbare, wie Sonne und Wind gedeckt werden. Diese volatilen Energieträger bringen nicht nur hohe Herausforderungen mit sich, sondern auch eine große Chance: Flexible Stromverbraucher können genutzt werden, um Erzeugungsspitzen im Windstrom abzufangen und ermöglichen so eine ökonomische Stromversorgung.

Besonders interessant sind hier Elektroautos als flexible Stromverbraucher. Die Elektromobilität wird in den nächsten Jahren immer stärker zunehmen. Je nach Studienlage ist eine Elektroauto-Quote von etwa 30% bis 2030 zu erwarten. Dabei benötigt ein durchschnittlicher Fahrer eines E-Golfs pro Arbeitstag etwa 20% seiner Akkukapazität. Um die Batterie nachts wieder komplett zu laden wird meist nur ein Bruchteil der Standzeit des Autos benötigt. D.h. solange die Batterie am nächsten Morgen wieder die volle Kapazität erreicht hat, kann es dem Fahrzeughalter egal sein, wann sein Auto innerhalb der Standzeit geladen wird.

Laut einer ADAC-Studie zu Kraftstoffmärkten ändern schon heute 60% aller Autofahrer ihr Tankverhalten für Preisunterschiede von etwa 5 Cent pro Liter Kraftstoff. Übertragen auf ein Elektrofahrzeug wären das etwa 2 Cent pro Kilowattstunde. Bei durchschnittlicher Fahrleistung bedeutet dies für den Endkunden etwa 60 € Einsparungen im Jahr. Dies ist somit die absolut untere Grenze für den Preis für Flexibilität eines E-Autos.

Wozu wird diese Flexibilität nun benötigt? Immer wieder kommt es zu Windspitzen oder sonnigen Tagen, sodass zuviel Strom durch erneuerbare Energieträger ins Netz eingespeist wird. Um eine Überlastung zu verhindern wird heute die Erzeugung durch erneuerbare Energien zugunsten konventioneller Kraftwerke abgeregelt. Es entstehen enorme Kosten, die im Endeffekt der Endkunde über die Netzentgelte zu tragen hat. Die direkten Kosten für eine solche Abregelung, das sogenannte Einspeisemanagement, sind laut Quartalsbericht der Bundesnetzagentur etwa 111 € pro Megawattstunde.

Zur Kompensation solcher Energiespitzen können in Zukunft flexible Stromverbraucher wie das Elektroauto genutzt werden. Der Mindestpreis für diese Flexibilität ist, wie oben dargelegt, 2 Cent pro Kilowattstunde statt den 11 Cent pro Kilowattstunde des Einspeisemanagements. Da allerdings weitere Mehrkosten auf den Endkunden zukommen und eventuell auch nicht der komplette gezahlte Preis seinen Weg zum Elektroautobesitzer finden wird, sind wir der Überzeugung, dass Flexibilität teurer sein muss als der oben genannte Mindestpreis. Ein Anbieter von Flexibilität sollte min. 100-200€ pro Jahr einsparen, sodass der Preis sich auf etwa 4-8 Cent pro Kilowattstunde belaufen sollte. Dies deckt sich mit der Einschätzung der Oliver-Wyman-Studie „Blackout“.