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Markt oder Stromtarif? – Der Avalanche-Effekt

Um ein langfristig bezahlbares und zuverlässiges Energieversorgungssystem gewährleisten zu können, ist das langfristige Ziel von Politik und Regulatorik Angebot und Nachfrage im Stromnetz zu flexibilisieren. Dabei sollen nicht nur Großkunden ihre flexiblen Stromverbraucher ertüchtigen können. Auch in Privathaushalten finden sich viele Verbraucher, die zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen können. Belgische Forscher des Projekts Energy Ville haben innerhalb dieser Entwicklung typische Haushaltsgeräte untersucht und herausgefunden, dass diese normalerweise zu klein sind, um substantielle Beiträge zu liefern. Mit neuen Verbrauchern, wie zum Beispiel Elektroautos und Wärmepumpen, ändert sich dies jedoch. Diese können dynamisch geladen werden. Damit werden in Zukunft auch elektrische Großverbraucher beim Endkunden vorhanden sein, die zur Netzstabilisierung genutzt werden müssen.

Anreizmodelle

Um Endkunden dazu zu motivieren sich netzdienlich zu verhalten, muss das Systen in der Regel finanzielle Anreize bieten. Hier gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Möglichkeiten:  Die erste Option sind variable Stromtarife, die eine Verlagerung des Energieverbrauchs in günstigere Zeiträume erreichen sollen. Dabei sendet der Netzbetreiber oder Energieversorger ein Tarifprofil für den folgenden Tag. Die zweite Option ist ein Marktplatz, auf dem das Ladeverhalten flexibler Stromverbraucher beim Endkunden gehandelt werden kann. Damit können Netzbetreiber diese auf Netzengpässe abgestimmen und zusätzliche Einkünfte beim Endkunden generieren.

Stromtarif oder Marktplatz?

Während flexible Stromtarife informationstechnisch deutlich weniger aufwändig sind, bieten Sie gegenüber einem Markt allerdings einen entscheidenden Nachteil: Den Avalanche-Effekt. Der Verbrauch von flexiblen Verbrauchern wie z.B. Elektroautos wird in naher Zukunft von Smart-Home-Systemen kostenoptimiert gesteuert werden. Gibt es einen besonders kostengünstigen Zeitraum zum Laden des Elektroautos, so werden sämtliche Verbraucher, denen es möglich ist, automatisch in diesem Zeitraum laden. Es kommt somit zu neuen Netzengpässen, sodass das Stromnetz weiteren Stabilitätsproblemen gegenübersteht. Welche Verbraucher sich tatsächlich des günstigeren Stromtarifs bedienen und welche nicht ist dabei weder kontrollier- noch nachvollziehbar.

Energieverbrauch und Strompreis über die Zeit aufgetragen. Zum Zeitpunkt des Netzengpasses wird der Strompreis niedriger und der tatsächliche Stromverbrauch höher. Hier sieht man die verheerende Auswirkung des Avalanche-Effektes.
Zum Zeitpunkt niedriger Strompreise laden sämtliche flexiblen Verbraucher. Die Lastspitze führt zu neuen Netzengpässen, die die Betriebssicherheit des Stromnetzes gefährden.

Die IRES-Marktplattform, auf der flexible Stromverbraucher ihre Flexibilität anbieten, ermöglicht einen deterministischen Prozess zur Auswahl spezifischer Flexibilitäten zur Bekämpfung auftretender Netzengpässe. Durch den Buchungsprozess ist jederzeit nachvollziehbar wie der Verbrauch verschoben wurden.  Damit haben die zuständigen Netzbetreiber auch die Möglichkeit den Aufruf von Flexibilitäten so zu steuern, dass keine neuen Netzengpässe entstehen.